Presse-2026-05-07

Kölner Stadtanzeiger   7.Mai 2026

Ausstellung „Ichigo Ichie“ in Kirche St. Theodor

Kölner Künstler zeigen sich ergänzende Skulpturen und Grafiken

VON THOMAS DAHL

Vingst.

Was verbirgt sich hinter einer Ausstellung mit dem Titel „Ichigo Ichie“? Muss eine künstlerische Werkschau in einem Gotteshaus automatisch Bezüge zum Glauben reflektieren? Und wie gelingt eine harmonische Ausrichtung, wenn neben dem Ort auch die Künstler selbst verschieden geprägt sind? Glücklicherweise keine eindeutigen Antworten darauf liefern die Gemälde, Grafiken und Skulpturen von Fabian Hochscheid sowie
Götz Sambale im KunstRaum St.Theodor. Vielmehr erschaffen die Objekte einen Spannungsbogen, der sich einen visuellen wie klangreichen Raum bis zum (nicht bestückten) Altar des markanten Rundbaus bahnt. Entlang der lichten Galerie, seitwärts Richtung Säulen, weitervoran durch die Stuhlreihen bis hin zum Schrein und wieder zurück, wird hier leise über die Natur der Kunst, des Glaubens oder des Fortschritts kommuniziert.

Hochscheids elektrifizierende gegenständliche Malereien bleiben dabei stets im Blick von Sambales versierten Holz- und Metallskulpturen, die wie ewige Hüter oder sanfte Grenzposten über wortlose, aber farbintensive, unerzählte Geschichten wachen. Geometrische Abdrücke auf Büttenpapier fungieren als Ruhepol zwischen den Bildnissen. Eine pensionierte Schreibmaschine, das vergeblich wartende Analog-Telefon, die vergessene, vor sich hinschaukelnde Gondel über dem Fluss oder die abgespulten Bänder eines Tonbandgeräts stören die sakrale Atmosphäre hier nicht, im Gegenteil, laden sie doch zum Verweilen, Imaginieren und zur Erweiterung des Dialogs zwischen den Objekten ein. Nicht überflutet mit Sinnesreizen, Informationen, subtilen Botschaften, sondern vielmehr ungezwungen-flanierend nähern sich die Besucher schließlich einem verführerischen Eingang: Fabian Hochscheids „Gespensterwald“ vibriert in vertikal fließenden grünblauen und silbergrauen Acryl- sowie Öltönen.

Die Bedeutung des Ausstellungstitels kommt übrigens aus dem Japanischen und kann mit „Einzigartigkeit, „Begegnung“ oder „Chance“ übersetzt werden. Die Einmaligkeit des Moments entfalten Künstler und Veranstalter noch bis zum 17. Mai.

„Ichigo Ichie“, Fabian Hochscheid/Götz Sambale, Malerei, Grafik, Skulptur, KunstRaum St. Theodor, Burgstraße 42, 51103 Köln,

Öffnungszeiten: samstags 13 bis 15 Uhr, sonntags 12 bis 13 Uhr und nach Vereinbarung, kunstraum_st.theodor@gmx.de, www.wp.kkg-hoevi.de